Diabetisches Fußsyndrom: Ursachen, Risiken, moderne Therapie und Prävention
Das diabetische Fußsyndrom (DFS), häufig auch als diabetischer Fuß bezeichnet, ist eine der häufigsten Komplikationen bei Diabetes mellitus. Die Erkrankung betrifft Millionen Menschen weltweit und kann zu chronischen Wunden, Infektionen und im schlimmsten Fall zu Amputationen führen. Laut Studien liegt das lebenslange Risiko für Diabetespatient:innen, ein diabetisches Fußsyndrom zu entwickeln, bei etwa 25 %. Die Sterblichkeit ist deutlich erhöht, weshalb Vorsorge, Früherkennung und moderne Therapieverfahren umso wichtiger sind.
Ursachen und Risikofaktoren: Warum entsteht das diabetische Fußsyndrom?
Das diabetische Fußsyndrom entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- Polyneuropathie: Bei etwa 30–40 % der Betroffenen liegt eine Nervenschädigung vor. Durch die gestörte Schmerz- und Temperaturwahrnehmung werden kleine Verletzungen oft nicht bemerkt, was zu chronischen Wunden führen kann.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Rund 20 % der Patient:innen leiden an einer Durchblutungsstörung der Beine, die die Wundheilung massiv beeinträchtigt.
- Kombination aus Polyneuropathie und pAVK: Bei etwa 40 % der Fälle sind beide Faktoren beteiligt, was das Risiko für schwer heilende Wunden und Amputationen weiter erhöht.
Zusätzlich begünstigen ein schlecht eingestellter Blutzucker, Fußfehlstellungen, mangelhafte Fußpflege und das Tragen ungeeigneter Schuhe die Entstehung von Fußulzera (zerstörtes Hautgewebe) und Infektionen.
Ausmaß und Folgen: Amputationen und Lebensqualität
Das diabetische Fußsyndrom ist einer der Hauptgründe für nicht-traumatische Amputationen weltweit. 40–70 % aller nicht-traumatischen Amputationen an Beinen und Füßen werden bei Diabetiker:innen durchgeführt. Nach einer Amputation ist die Lebensqualität oft stark eingeschränkt.
Moderne Behandlungsmöglichkeiten des diabetischen Fußsyndroms
Das Ziel jeder Therapie ist die Vermeidung von Amputationen und die Verbesserung der Durchblutung. Hier kommen heute vor allem minimalinvasive Methoden zum Einsatz:
1. Wiederherstellung der Durchblutung
- Minimalinvasive Gefäßeingriffe: Da Diabetes vor allem die kleinen Gefäße am Unterschenkel betrifft, sind die Eingriffe technisch anspruchsvoll. Mit speziellen Low-Profil-Ballons (Durchmesser 1–3 mm) können jedoch heute nahezu alle Unterschenkelarterien schonend behandelt werden.
- CO₂-Angiographie: Für Patient:innen mit Niereninsuffizienz kann die Gefäßdarstellung komplett ohne jodhaltiges Kontrastmittel erfolgen, was die Behandlung sicherer macht.
2. Wundmanagement und Infektionskontrolle
- Früherkennung und Behandlung von Wunden: Regelmäßige Kontrollen, professionelle Wundversorgung und ggf. chirurgische Entfernung von abgestorbenem Gewebe sind entscheidend.
- Infektionsmanagement: Bei Bedarf werden gezielt Antibiotika eingesetzt, um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern.
3. Interdisziplinäre Betreuung
- Anbindung an eine diabetologische Fußambulanz: Die Zusammenarbeit von Diabetolog:innen, Gefäßchirurg:innen, Podolog:innen und Orthopädietechniker:innen verbessert die Versorgung und die Heilungschancen erheblich.
- Individuelle Therapieplanung: Jeder Patient erhält ein maßgeschneidertes Behandlungskonzept, das sowohl die Durchblutung als auch die Wundheilung berücksichtigt.
Zusammenfassung
Das diabetische Fußsyndrom ist eine ernste, aber heute immer besser behandelbare Komplikation bei Diabetes. Dank moderner minimalinvasiver Gefäßtherapien, spezialisierter Wundversorgung und interdisziplinärer Betreuung können Amputationen häufig vermieden und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessert werden. Entscheidend sind eine frühzeitige Diagnose, regelmäßige Vorsorge und die enge Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Ärzteteam.








